Issyk-Köl und Abschied

Seit fast zwei Monaten bin ich nun wieder in Deutschland. In dieser Zeit war ich auf dem Rückkehrerseminar, bin umgezogen… usw. Aber am besten schreibe ich erst einmal über die letzten zwei Wochen in Kirgistan.

Jedes Jahr gehen die Bewohner des Sozialdorfes für ein paar Tage an den Issyk-Köl um dort Urlaub zu machen. Dieses Jahr natürlich auch, wenn auch nicht so lange wie sonst und an einen anderen Ort. Alle Bewohner sind mitgekommen, plus die Mutter einer Bewohnerin, zwei Arbeiterinnen und drei Kinder. Mit zwei richtig voll bepackten Autos sind wir also losgefahren, mussten wegen rauchendem Motor immer mal wieder anhalten, sind aber gut angekommen.

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Ab und zu wurde auch draußen gekocht (vor allem als Stromausfall war).

Das Gelände, auf dem neben einigen anderen Ferienhäusern auch unser Haus stand, hatte viele Aprikosen- und Mirabellenbäume und auch die Umgebung war wirklich schön. Außerdem ist es am See nicht so heiß wie in Murake oder Bishkek. Als wir ankamen, war der ganze Boden sogar weiß, weil es kurz vorher mehrere Zentimeter hoch gehagelt hat. Das Haus war dafür weniger gut ausgestattet, mit winziger Küche, (also ein Raum mit Waschbecken, der als Küche umfunktioniert wurde) und außerdem nicht für Rollstühle geeignet. Schlussendlich konnten wir uns es aber doch so einrichten, dass es für alle gepasst hat. Der Issyk-Köl war ca. 200 m. entfernt und da das Wetter meistens gut war, konnten wir auch oft zum Baden gehen.

Mir hat die Zeit am Issyk-Köl gut gefallen. Es war schön mit den Bewohnern außerhalb des Sozialdorfes zusammen zu sein und auch mit den drei Kindern, die mitgekommen sind, war es sehr lustig. Leider wurden ein paar von uns krank und manche Bewohner haben die Kühe, den Fernseher oder ähnliches vermisst. Außerdem war es unpraktisch mit den Rollstühlen, weil das Gelände nicht dafür ausgerichtet war und es wurde oft von dem Ort geschwärmt, wo sie die letzten Jahre waren.

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Nach den sechs Tagen ging es wieder ins Sozialdorf. Ob ich es wahrhaben wollte oder nicht, ich hatte von da an nur noch eine gute Woche in Kirgistan. Gleich am nächsten Tag kam Besuch aus Deutschland von Laurens, der den Förderverein mitgegründet hat und einem Freund. Für mich war es sehr spannend dadurch noch mehr über die Hintergründe und auch Vergangenheit des Sozialdorfes zu erfahren und Fragen zu klären, die ich noch hatte.

Leider waren die letzten Tage in Kirgistan nicht wie ich sie mir erhofft hatte, weil ich krank wurde und nicht mehr viel machen konnte. Pia war ebenfalls krank, wie zur Bestätigung, dass wir in dem halben Jahr so viel gemeinsam gemacht haben.

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Beim Überreichen der Geschenke

Am Tag bevor ich geflogen bin, hat jeder Bewohner mir gedankt und ich bekam noch Abschiedsgeschenke. Da ich am Schluss immer noch krank war und ich auch noch nicht richtig realisieren konnte, dass ich nun nach Hause flieg war der Abschied nicht so schlimm wie erwartet. Trotzdem war es traurig allen Tschüss zu sagen und zu wissen, dass ich alle lange nicht sehen werde. Ich hätte nicht gedacht, dass ein halbes Jahr so schnell vorbeigehen kann.

Gerne wäre ich noch länger im Sozialdorf und in Kirgistan geblieben und ich fand es wirklich schade, dass ich jetzt gehen musste. Auch weil noch so viel in der nächsten Zeit anstand: eine Außenwohngruppe ist geplant, wofür gerade ein Haus gekauft wurde, die neuen Freiwilligen sind ein Monat später gekommen etc. Pia ist noch bis Oktober im Sozialdorf und kann mich so auf dem laufenden halten.

Die erste Zeit in Deutschland war ich völlig überfordert, dass alle deutsch sprechen, ich wieder andauernd Termine habe, das Klopapier nicht in den Mülleimer schmeißen muss und alles so teuer ist. Andererseits fand ich es toll meine Familie und Freunde wiederzusehen, das deutsche Essen zu essen, unabhängig durch ein Auto und Fahrrad zu sein und wegen der Sprache viel einfacher kommunizieren zu können.

Auf dem Rückkehrerseminar, das Anfang September statt fand habe ich Laura und Franz, die in Bishkek waren wieder getroffen. Es war schön mit ihnen nochmal über die Zeit zu reden.

Abschließend kann ich sagen, dass ich so froh bin, dieses halbe Jahr in Kirgistan verbracht zu haben und dass ich die Möglichkeit dazu hatte. Ich habe so viel gelernt in dieser Zeit und es war viel interessanter und toller, als ich es mir je im Voraus  vorgestellt habe.

Ich habe fest vor, bald wieder nach Kirgistan zu gehen und freue mich schon sehr darauf!

Vielen Dank für die Interesse an meinem Freiwilligendienst in Kirgistan.

Спасибо, чоң рахмат

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Sommer

Hallo!

Ursprünglich wollte ich diesen Blogeintrag schon vor über einer Woche veröffentlichen, aber da mir das Internet ein Strich durch die Rechnung gemacht hat, gibt es den Eintrag erst jetzt. Die letzte Woche waren wir am Issyk-Köl mit allen Bewohnern, aber darüber werde ich im nächsten Blogbeitrag etwas schreiben.

Dieses Jahr wird das Sozialdorf 12 Jahre alt, was natürlich gefeiert wurde. Zu dem Fest wurden Freunde und Sponsoren eingeladen und es gab ein leckeres Festessen. Schon am Vortag wurde fleißig gebacken, aufgeräumt und alle haben sich schön gemacht. An der Feier selbst, haben die Bewohner Tänze und Lieder gesungen und anschließend gab es eine Slideshow über die bisherige Zeit des Sozialdorfes. Es wurde nochmal bewusst, wie viel in so einer relativ kurzen Zeit aufgebaut und geschaffen wurde. Sehr beeindruckend, meiner Meinung nach.

Anfang Juli hatten Pia und ich ein verlängertes Wochenende und so nutzten wir die Zeit, um an den See Song-Köl zu fahren. Der Song-Köl liegt auf 3016 m. und währen der Sommermonate bauen einige Kirgisen ihre Jurten rund um den See auf, um dort samt Kühen, Schafen oder Pferden zu leben.

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Auf dem Weg an den Song-Köl

Wir sind also bis nach Kotschkor, einem Dorf, 2 1/2 std entfernt, gefahren und von dort aus wurden wir über einen sehr schönen Pass und abenteuerliche Wege an den Song-Köl gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir eine Yak-Herde gesehen, die schnell von der Straße geflüchtet ist, als wir mit dem Auto ankamen. Ansonsten war schon auf dem Weg die bunte Blumenvielfalt zu sehen, die auch am See sehr auffallend war. Am Song-Köl haben wir drei Nächte in zwei verschiedenen Jurten übernachtet. Gleich am ersten Abend wurden wir mit leckerem Fisch, der aus dem Song-Köl geangelt wurde, verwöhnt und auch sonst wurde uns sehr leckeres, kirgisisches Essen gekocht. Nur am letzten Abend haben Pia und ich uns schwer getan, das größtenteils aus Hammelfleisch- und Fett bestehende Gericht zu essen (vor allem da wir beide das Fleisch essen nicht so gewöhnt sind). Zu jedem Essen gab es neben Tee meist Kymys, das aus gegorener Stutenmilch gewonnene Nationalgetränk Kirgistans. Anfangs war ich nicht so begeistert von dem recht kräftig schmeckenden Getränk, aber mittlerweile finde ich es eigentlich ganz lecker.

Am Song-Köl sind wir ab und zu spazieren gegangen und ein Vormittag waren wir reiten, was viel Spaß gemacht hat. Ansonsten haben wir in der Jurte entspannt, weil das Wetter sehr unbeständig war und wir zweimal in ein Gewitter und Hagel gekommen sind. Das erste Mal in Kirgistan war mir für kurze Zeit etwas langweilig, was aber auch mal nicht schlecht war.

Nach diesem Kurzurlaub ging es wieder nach Murake und da die ersten Tage im Mai Remont angesagt war, kamen wir in ein blitz-blank  geputzes Sozialdorf zurück. Die Bewohner haben den gesamten Juli Urlaub von der Arbeit in der Filswerkstatt, und so hat sich auch unsere Arbeit ein wenig verändert. Es ist schön, ein bisschen mehr Zeit mit allen Bewohnern zu verbringen. In den letzten zwei Wochen haben wir u.a. die Kräuterschnecke fertiggestellt (endlich!), den Baum, der im Flur an die Wand gezeichnet ist, nochmal übermalt, damit er wieder frischer aussieht, und die Bilder die dort hingen, erneuert. Ansonsten haben wir viel Ball gespielt, gemalt, Deutschunterricht gemacht, waren spazieren oder haben andere Spiele gespielt.

 

Zur Zeit wird die Homepage des Sozialdorfes neu gestaltet, wofür Pia und ich Porträts über einige der Bewohner geschrieben haben, in denen sie vorgestellt werden. Es war gar nicht mal so einfach, eine ganze Persönlichkeit in nur wenigen Sätzen zu beschreiben. Wer Interesse hat, kann sie hier finden:

http://www.sozialdorf.org

Am 5. Juli war ein muslimischer Feiertag in Kirgistan, an dem die Leute bei Freunden, Bekannten und Nachbarn zum Trinken und Essen eingeladen wurden. Zusammen mit einigen Bewohnern bin ich insgesamt bei drei Nachbarn gewesen und jedes mal wurden wir zu einem, wie es für Kirgistan typisch ist, sehr vollen Tisch eingeladen. Dieser Feiertag hat mir gut gefallen, auch wenn es mal wieder viel zu viel zu Essen gab, vor allem weil Pia und ich am Abend noch Pizza gebacken haben.

Nun bin ich in Kirgistan nur noch für eine Woche und ich kann es gar nicht glauben, dass das halbe Jahr nun schon vorbei ist. Ich werde die letzten Tage hier noch genießen und bin aber gleichzeitig jetzt schon traurig allen Leuten und Kirgistan Tschüss zu sagen.

Zwei Reisen in einem Monat

Привет,

Jetzt habe ich mich schon länger nicht mehr gemeldet, was daran liegt, dass ich im Mai recht viel unterwegs war.

Gleich am Anfang des Monats haben Pia und ich uns freigenommen und zu 9. sind wir auf Reisen gegangen. Unser grober Plan war, im westlichen Teil des Landes bis nach Osch zu fahren. Ausgestattet mit Wanderausrüstung und Zelt ging es dann von Bischkek aus los.

Unser erstes Ziel war der See „Sary Chelek“, zu dem wir mit Umweg fast 12 Stunden gefahren sind. Der Weg war unglaublich schön, lange entlang des Naryns und vorbei an dem Toktogul-Stausee. Teilweise war der Weg ziemlich steil und kurvig und wir haben immer wieder verunglückte Lastwagen am Straßenrand gesehen. Ich war dann recht froh, nachts heil in Arkit, einem kleinen Dorf in der Nähe des Sary-Cheleks anzukommen. Dort haben wir die erste Nacht in einem Gasthaus übernachtet und sind dann am nächsten Tag zu dem See gelaufen. Nach einer Nacht am Sary-Chelek sind wir wieder zurück nach Arkit gelaufen.

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Ein Großteil von uns mit dem Sary Chelek im Hintergrund. Nur das Wetter war nicht so optimal.

Das nächste Ziel war Arslanbob. Dort sind wir mit einer Marschrutka hingefahren, die sich nur für uns über die teilweise nicht geteerten Wege gewagt hat. Die Stadt liegt inmitten des größten natürlichen Walnusswaldes der Welt. Der Bevölkerung besteht dort zu 80 % aus Usbeken, was man, wie ich fand, der Stadt auch angemerkt hat, denn es sah anders aus, als in den anderen Orten, die ich bisher von Kirgistan gesehen habe. Die Häuser sind anders gebaut, die Leute sind anders gekleidet und vor allem ist dort so viel Wald, was in den anderen Teilen Kirgistans nicht so oft zu sehen ist.

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Hier haben wir eine Nacht gezeltet. Von dort hatte man Ausblick über Arslanbob, die Walnusswälder und einen 80 m hohen Wasserfall.

Weil Arslanbob so schön ist, sind wir dort drei Tage geblieben, sind viel gewandert und als wir nicht Zelten waren, haben wir bei einer usbekischen Familie übernachtet.

Von Arslanbob aus sind wir nach Dschalalabat gefahren. Auf dem Weg dort hin haben wir zufälligerweise zwei Bekannte getroffen, bei denen wir dann netterweise übernachten konnten. Zwar gibt es dort wenig nennenswerte Sehenswürdigkeiten, doch die Stadt hat mir trotzdem gefallen. Nach dem sonst eher vielen Laufen haben wir dort einen gemütlichen Abend verbracht.

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Die drei Mausoleen aus dem 11. und 12. Jhdt.

Am nächsten Tag sind wir dann weiter über Ösgön nach Osch gefahren. In Ösgön haben wir die berühmten Mausoleen und das Minarett besichtigt. Den Rest des Tages haben wir genutzt, um uns Osch ein bisschen anzuschauen. Wir sind über den großen Basar geschlendert und waren auf dem Sulajman Too, einem Felsen, der sich mitten in der Stadt befindet und von dem aus man über alle Dächer hinweg sehen kann.

Für den letzten Tag wollten wir noch etwas unternehmen und so haben wir uns kurzfristig entschlossen, in das Chil-Ustun Höhlensystem, das sich in der Nähe von Osch befindet, zu gehen. Also sind Pia, Franz und ich ca. eine halbe Stunde (entlang der usbekischen Grenze) gefahren und haben uns mit einem Guide getroffen. Um zu den Höhlen zu kommen, mussten wir zuerst ein Stück wandern und später auch angeseilt (was mir aber ehrlich gesagt nur mehr oder weniger stabil vorkam) die steilen Felswände hochklettern. Das Höhlensystem besteht aus drei Höhlen, die jeweils durch sehr enge Gänge verbunden sind. Als wir in der dritten Höhle angekommen sind, war mir sofort klar, dass sich der nicht so leichte Weg dorthin total gelohnt hat: riesige Skulpturen aus Stalagmiten und Stalaktiten in einer unglaublich großen Höhle. 

Ich kann sagen, dass ich diesen Ausflug nicht so schnell wieder vergessen werde und er ein perfekter Abschluss für die Reise war. Als wir wieder unten am Berg angekommen sind, hat uns eine Frau einfach so ein sehr leckeres Brot und Kekse geschenkt. Das hat uns wirklich gefreut.

Während unsere Reisegefährten nach Bischkek zurückgeflogen sind, haben Pia und ich den Landweg gewählt und sind mit dem Sammeltaxi über die Pässe und durch die wunderschöne Landschaft zurückgefahren. Immer wieder war die ganze Straße durch Schafe, Kühe oder Pferde belegt, so dass wir mitten durch die Herde fahren mussten. Die Tiere wurden wohl gerade für den Sommer in die Berge getrieben.

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Unsere Reiseroute. B:Sary Chelek, C:Arslanbob, D:Dschalalabad, E: Ösgön, F:Osch

Nach diesem Urlaub habe ich eine Woche gearbeitet, bevor es schon wieder in meinen zweiten Urlaub ging. Ich habe nämlich Besuch von zu Hause bekommen. :) Nachdem ich am ersten Tag meiner Mama und meiner Schwester Bischkek gezeigt habe, sind wir für knapp fünf Tage an den Issyk-Kul gefahren. In dieser Zeit sind wir einmal um den See gefahren und ich war ziemlich begeistert von der Umgebung: der riesige See, der Teilweise auch ein Meer hätte sein können und dahinter die wunderschönen Berge, in allen möglichen Formationen.

Zum Abschluss dieser Reise haben wir uns mit Pia und ihrem Freund Patrick in Bokonbaeva getroffen, um dort zusammen eine Reittour zu machen. Mit den Pferden ging es auf ca. 3000 m, von wo man einen Großteil des Issyk-Kuls sehen konnte. Der Weg war teilweise so steil, dass ich großes Mitleid mit den Pferden hatte und mir nicht immer so sicher war, ob wir auch heil ankommen werden. Aber die Vierbeiner haben es gut gemeistert. Es war auf jeden Fall ein unglaublicher Ausflug!

Die letzten zwei Tage waren wir im Sozialdorf. Von dort aus sind wir auch in die Berge gefahren, was extra für unseren Besuch organisiert wurde.

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Unser Besuch wurde sehr herzlich Willkommen geheißen.

Nun habe ich schon wieder über 2 Wochen gearbeitet und ich habe nur noch weitere 1 1/2 Monate vor mir. Es war viel los in der letzten Zeit, z.B. waren wir im Zirkus und auf einem Fest anlässlich des Kindertages in Bischkek, Pia und ich sind in das andere Haus umgezogen, wir haben Eis gemacht, viel gebastelt, die Sommerküche wurde hergerichtet und wir Essen jetzt draußen…

Außerdem ist der Sommer hier komplett angekommen. Letzte Woche hatten wir jeden Tag zwischen 33° – 37° C und überall wird das leckerste Obst und Gemüse verkauft. Vor allem Erdbeeren und Kirschen werden zur Zeit in Unmengen am Straßenrand angeboten. Seit diesem Wochenende auch Aprikosen, Wassermelonen etc.

An den Wochenenden haben wir es eher gemütlich angehen lassen, haben das leckere Bischkek-Essen genossen und nur kleinere Sachen unternommen, wie zum Friseur zu gehen. :)

Auch in nächster Zeit stehen einige Dinge im Sozialdorf an und ich bin schon sehr gespannt darauf. Das Wetter soll dafür nicht mehr wirklich abkühlen, sondern im Hochsommer noch heißer werden. Wie das auszuhalten ist, weiß ich noch nicht so genau.

Mein Arbeitsalltag im Sozialdorf Manas

Im Sozialdorf leben 15 Bewohner mit unterschiedlichsten Behinderungen oder Einschränkungen. Von einigen Bewohnern sind die Behinderungen nur leicht ausgeprägt, so dass wenn sie in Deutschland aufgewachsen wären, nicht unbedingt in einer Einrichtung leben würden. Unter der Woche arbeiten die meisten Bewohner in der Filzwerkstatt, in der typisch kirgisische Filzkissen genäht werden, eine, manchmal zwei helfen in der Küche und beim Putzen und wieder andere arbeiten vorwiegend in der Landwirtschaft mit. Dort ist im Gewächshaus, im Stall, bei den Schafen, Kühen, Kälbern, dem Esel, den Hühnern und Truthähnen immer etwas zu tun. Insgesamt können drei der Bewohner (Leyla, Asiret und Adil) nicht im Arbeitsalltag mitarbeiten. Hier ist es Pias und meine Aufgabe uns um sie, während alle anderen arbeiten, zu kümmern.

 

So sieht mein Arbeitsalltag aus:

Diese Woche hat mein Wecker um kurz vor sieben geklingelt. Mein Arbeitsalltag hat damit begonnen, dass ich Leyla beim Anziehen, Waschen und Frisieren geholfen, bis es dann ca. um 8 Uhr Frühstück gibt. Mit dieser Arbeit wechseln sich Pia und ich von Woche zu Woche ab, deshalb kann ich alle zwei Wochen etwas länger schlafen. Um 9 Uhr wird der Tag mit einem Morgenkreis begrüßt. Dort wird eine Kerze angezündet, Pia spielt etwas auf der Flöte, wir sprechen den Morgenspruch von Rudolf Steiner und singen vier Lieder: zwei auf Russisch, eins auf Kirgisisch und ein deutsches. Danach fängt für die Bewohner der Arbeitsalltag an.

Pia und ich lernen dann bis um 10 Uhr Russisch, entweder alleine oder zusammen mit der Leiterin des Sozialdorfes und ihrer Assistentin, die gleichzeitig Deutsch lernen.

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Sensomotorik mit Adil

Danach machen wir mit zwei Bewohnern sensomotorische Übungen und wickeln einen von ihnen gegebenenfalls. Was wir danach machen ist uns relativ frei überlassen und so gehen wir z.B. oft mit den RollstuhlfahrerInnen und einer anderen Bewohnerin spazieren, malen, spielen Dame, schreiben Nachrichten an Verwandte und Freunde, schauen Bilder an oder basteln etwas. Unsere Arbeit variiert natürlich auch sehr, je nachdem welche BewohnerInnen gerade da sind. Denn bisher waren noch nicht oft alle drei zu selben Zeit im Sozialdorf, denn Leyla ist öfters für längere Zeit bei ihrer Familie und Adil ist erst vor kurzem ins Sozialdof gekommen. Sofern Leyla jedoch da ist, betreue ich hauptsächlich sie. Und da wir uns gut verstehen, macht mir das auch sehr viel Spaß.

Um 11 Uhr mache ich mit Meerim Übungen für den Muskelaufbau, die vor allem für die Stärkung der Beine gut sind. Mit ihr mache ich zusätzlich noch zweimal täglich Übungen, damit sie sich während des Autofahrens nicht übergeben muss.

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Deutschunterricht: Vor allem am Anfang musste ich selbst einige Wörter nachschlagen

Ungefähr dreimal die Woche mache ich mit drei der BewohnerInnen Deutschunterricht. Sie können schon einige Worte und Sätze auf Deutsch, denn die Vorfreiwilligen haben mit ihnen Deutschunterricht gemacht und vier der Bewohner konnten letzten Herbst für vier Wochen nach Deutschland gehen, wovon sie noch oft sehr begeistert sprechen. Da sie sehr interessiert am Deutsch lernen sind, wird auch oft über den Tag hinweg gefragt, was dieses oder jenes Wort auf Deutsch heißt.

Um 13 Uhr gibt es Mittagessen und anschließend machen Pia und ich für eine Stunde Pause. Bei den Mahlzeiten helfe ich gegebenenfalls beim  Essen, denn zwei BewohnerInnen können nicht alleine essen.

Um vier Uhr gibt es dann wieder Kuchen und Tee. Danach gehen Pia und ich meistens raus und helfen dort etwas in der Landwirtschaft mit. Diese Arbeit haben wir uns ausgesucht, damit wir einen Ausgleich zu der ansonsten nicht allzu körperlich anstrengenden Arbeit haben. Im Moment sind wir dabei, eine Kräuterschnecke zu bauen, wobei wir oft von irgendjemandem Hilfe bekommen. Ansonsten steht ausmisten und Kühe Putzen auch immer auf dem Plan.

Vor dem Abendessen (das um sieben Uhr ist) werden die Kühe dann per Hand gemolken, wobei ich auch immer gerne helfe. Viel mehr als eine Kuh habe ich jedoch noch nicht geschafft, denn es ist doch recht anstrengend.

Nach dem Abendessen spielen wir ab und zu etwas mit den Bewohnern oder sie sitzen noch ein bisschen in unserem Zimmer und hören Musik oder unterhalten sich mit uns.

Da unser  Zimmer sich in dem Haupthaus befindet, sind wir sobald wir aus dem Zimmer gehen, mitten im Geschehen. Auf der einen Seite ist das sehr schön, andererseits kann es auch anstrengend sein, denn man hat wenig Privatsphäre. Öfters kommt nämlich einfach jemand in der Pause ohne zu klopfen ins Zimmer spaziert und die meisten scheinen sich dort auch echt wohl zu fühlen. Aber dafür fahren wir ja meistens über das Wochenende nach Bischkek um ein bisschen Abstand zu der Arbeit zu gewinnen.

Zusätzlich kommen immer mal wieder kleinere Arbeiten dazu. Diese Woche haben wir z.B. einigen Bewohnern die Haare rasiert, heute haben wir gekocht und seit heute gibt es ein neues massageähnliches Gerät, das wir morgens und abends jeweils für eine Stunde betreuen sollen, während die Bewohner es nutzen.

Insgesamt macht mir die Arbeit im Sozialdorf sehr viel Spaß, vor allem weil hier so nett Leute wohnen. Ein paar Dinge machen die Arbeit etwas schwieriger, wie z.B. das fehlende fließende Wasser, aber irgendwie klappt es dann doch immer, wenn auch manchmal etwas umständlicher. Eigentlich sollte es fließendes Wasser geben, da es hier eine Wasserzisterne gibt, aber bisher gab es nur einmal für zwei Stunden Wasser aus dem Wasserhahn im Badezimmer. Das ist jedoch keine Seltenheit, denn in den meisten Dörfern gibt es kein fließendes Wasser in den Häusern. Das Wasser wird dann an einem Brunnen im Dorf geholt oder wie bei uns mit einem Wasserfass aus dem nächsten Dorf. Auch die Wege sind hier alles andere als optimal um mit den Rollstühlen zu fahren, aber bisher gehen die RollstuhlfahrerInnen noch mit mir spazieren, auch wenn es für sie wahrscheinlich nicht immer allzu angenehm ist

Ich finde das Sozialdorf ist ein sehr schöner Ort in Kirgistan, in dem Menschen mit Behinderungen ihren Platz finden können und eine sinnvolle Beschäftigung haben. Das ist mir diese Woche nochmal bewusst geworden, als wir mit Marian (der letztes Jahr für drei

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Wiedersehensfreude zwischen Marian und Adil

Monate als Freiwilliger hier war) in Bellovodsk im Kinderheim waren. Ich wollte mir das anschauen, da einige der BewohnerInnen aus diesem Heim ins Sozialdorf gekommen sind. Unter anderem Adil, der dort bis vor drei Wochen gelebt hat (und Marian von letztem Jahr kennt) und Meerim, die dort  für über 10 Jahre war. Dort leben ca. 200 Kinder mit Behinderung zwischen 5 und 17 Jahren. Zuerst waren wir in den Gruppen, in denen die „liegenden“ Kinder (die nicht laufen können) waren und habe uns danach alle anderen Gruppen angeschaut. Vor allem in den Gruppen mit den Kindern die schwerere Behinderungen haben, gab es eindeutig Personalmangel und viele Kinder leben dort auf engem Raum zusammen. Außerdem haben die meisten ArbeiterInnen einen 24 Stunden Arbeitstag, was unvorstellbar anstrengend sein muss. Das Kinderheim in Belovodsk gilt als Vorzeige-Heim in Kirgistan, deshalb sind die Bedingungen in den anderen Heimen in Kirgistan wahrscheinlich kein Stück besser. Ich habe den Eindruck, dass die Kinder dort nicht zu Selbstständigkeit erzogen werden. So müssen Jugendliche, um die 16 Jahre, sich immer an den Händen halten, sobald sie aus dem Haus gehen. Die Kinder bekommen dort keine Schulbildung und Meerim hat mir erzählt, dass sie erst mit 15 Jahren etwas lesen, schreiben und rechnen beigebracht bekommen hat. Nur einfache Dinge wie Farben wurde ihr dort beigebracht. Dabei hat sie nur eine Fehlstellung an den Füßen und keine geistige Behinderung (und lernt z.B. im Deutschunterricht sehr schnell). Ich frage mich auch, wie die Kinder später gut zurechtkommen sollen, wenn sie nicht einmal grundlegende Bildung erfahren können. Was mit den Jugendlichen passiert wenn sie 18 Jahre alt werden ist eine weitere große Frage, denn die Bedingungen in den Heimen für Erwachsene sollen nochmal einiges drastischer sein und viele der Menschen mit starken Behinderungen sterben schon nach sehr kurzer Zeit. Ansonsten bleibt ihnen oft nur die Möglichkeit von einer winzigen Rente zu leben. Was für ein Glück die Bewohner haben, hier im Sozialdorf leben zu können wissen sie auch selber und so ist beispielsweise einer der Bewohner vor kurzem zu unserer Leiterin gegangen und hat sich mit Tränen in der Augen bedankt, dass er hier sein darf und nicht in ein staatliches Heim gehen musste.

Noch ein paar  Bilder von meinem letzten Wochenende. Am Samstag hat unserer Hausvater uns zum Schaschlik-Essen und reiten in die Berge mitgenommen und Sonntag habe ich eine Wandertour zu einem sehr schönen hochalpinen See gemacht.13016713_1115732931780365_1211853977_o

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Picknick mit sehr viel Schaschlik zu essen
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Pia beim reiten
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Wandertour am Sonntag

 

Wochenende und Wandern im Boom Gorge

Wie schon erwähnt fahren Pia und ich gewöhnlich am Wochenende nach Bischkek und verbringen dort unsere freie Zeit. Seit vier Wochen wohnen wir dort zusammen mit Sarah und Sophie (ebenfalls Freiwillige aus Deutschland) und Abdullah und Hasan (zwei Studenten aus der Türkei) in einer gemütlichen Wohnung, die ziemlich zentral liegt und

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Der Manas- Epos wird aufgeführt

sogar einen wunderschönen Vorgarten hat, in dem im Moment alles blüht. Wenn wir nicht gerade einen Ausflug machen sind wir oft in einem der teilweise sehr gemütlichen Cafés und lernen z.B. russisch, denn es ist meist sehr günstig hier Essen zu gehen.Oft gehen wir auch durch die Stadt und durch Parks spazieren. Ansonsten unternehmen wir kleinere Dinge mit den anderen Freiwillligen oder unseren Mitbewohnern, wie z.B. auf einen der riesigen Basare oder in die Second-Hand -Shops, ins Kino (das Dschungelbuch auf Russisch), in ein Theaterstück von den Kindern aus Ümüd-Nadeschda oder einfach abends in eine Bar um dort gemütlich zu sitzen.

Dieses Wochenende haben wir beschlossen einen Ausflug zu machen und haben also recht kurzfristig eine Tour zum „Boom Gorge“ gebucht. Mit keinerlei großen Erwartungen bin ich dort also hin gefahren und wurde dafür umso positiver überrascht, als vor uns riesige rote Gesteinsformationen aufgetaucht sind.

 

Auf unserer Wanderung sind wir auf abwechslungsreich Wegen gelaufen/geklettert und kamen langsam immer weiter nach oben, bis wir schließlich einen unglaublichen Ausblick über die Canyons hatten. Die Landschaft ist dort wirklich atemberaubend, mit den Schneebedeckten Bergen im Hintergrund und in jeder Himmelsrichtung zeigt sich ein komplett anders Bild.

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Oben angekommen haben wir ein Picknick gemacht, bevor es dann an den Rückweg ging. Dort ist mir nochmal bewusst geworden wie vielseitig und schön die Natur ist: es gibt wirklich hohe Berge, Gletscher, Wasserfälle, Seen (z.B. den Issyk Kul, den zweitgrößten Alpinen See), heiße Quellen, Steppe, Canyons… und dabei hab ich das meiste noch gar nicht gesehen. Ich wundere mich jedenfalls, weshalb Kirgistan in Deutschland nicht als ein allgemein bekanntes Reiseziel gilt. Denn es gibt so viel zu sehen, die Menschen sind unglaublich gastfreundlich und es ist vergleichsweise sehr günstig zu reisen.

Hier noch ein paar weitere Bilder von der Wanderung:

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Ausflug nach Almaty

Pia und ich hatten letzten Freitag frei, weil wir am Feiertag gearbeitet haben und so hatten wir genügend Zeit, um etwas weiter weg zu fahren. Sehr kurzfristig haben wir uns dann entschieden, dass wir uns gerne Almaty anschauen möchten.

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So sieht übrigens eine Marschrutka aus…

Also haben wir uns Freitag morgen in eine Marschrutka gesetzt und schon ging es los. Nach nicht einmal einer Stunde kamen wir an die kasachische Grenze und mussten alle aussteigen und durch einen langen, abgezäunten Weg laufen. Bei der Passkontrolle mussten wir unsere Pässe einem der recht streng aussehenden Grenzaufseher geben. Kurze Zeit später kam er dann mit unseren Pässen zurück und hat uns erst auf Russisch, dann auf gebrochenem Englisch versucht etwas zu sagen. Als wir ihn dann verstanden hatten, waren wir recht erleichtert, dann er wollte nur wissen wie uns denn Bischkek gefallen hat und was wir in Kirgistan gemacht haben.
Nach der Grenze ging es weitere drei Stunden durch die mal mehr und mal weniger hügelige Landschaft, bis wir in Almaty angekommen sind. In nicht allzu weiter Ferne war durchgehend der Tien-Shan Gebirgszug zu sehen.

Als wir in Almaty waren, ist uns bewusst geworden, dass wir kaum etwas über die Stadt wissen und nicht mal einen Stadtplan haben, aber wir waren guter Dinge, es trotzdem hinzubekommen. Uns hat netterweise auch gleich jemand geholfen den richtigen Bus zu unserem Hostel zu finden, doch als wir an der scheinbar richtigen Straße und Hausnummer ankamen, war weit und breit kein Hostel zu sehen. Auch die Leute, die wir danach gefragt haben, konnten uns nicht wirklich weiterhelfen. Deshalb sind wir einfach mal drauflos gelaufen und nach zwei Stunden durch die Stadt schlendern, haben wir unser Hostel doch gefunden. In derselben Straße gab es nämlich aus irgend einem Grund nochmal die gleiche Hausnummer, wie dort, wo wir zuerst waren. Auf unserer Suche nach 2fb64b5e08084dcd7952d3e3e8e9d9cff8dce83c_Nur-Astana_Mosquedem Hostel haben wir unter anderem eine sehr schöne Moschee gesehen und sind auf ein süßes Cafè gestoßen, in dem wir dann Abends noch lange saßen.

Am Samstag hatten wir dann den ganzen Tag Zeit um uns Almaty genauer anzuschauen. Wir haben einige Tipps von dem Hostelbesitzer und einem Bekannten bekommen und so haben wir ein paar der bekanntesten Sehenswürdigkeiten angeschaut.
IMG_5968Wir waren beispielsweise im Park der 28 Panzilowzi, in dem auch die bekannte Zenkov Kathedrale steht, auf dem „grünen Bazar“, einem Bazar auf dem es alles Mögliche zu kaufen gibt, von Schweineköpfen über sehr viel Obst bis zu Haushaltsartikel. Was mir auch noch sehr gut gefallen hat war ein Künstlermarkt, auf dem es unter anderem sehr viele traditionelle kasachische Kunst zu kaufen gab.


Wir sind nur zu Fuß gelaufen und so hat man einen, wie ich fand sehr guten ersten Eindruck von der Stadt bekommen. Einerseits hat mich Almaty schon an Bischkek mit den recht vielen Plattenbauten erinnert, andererseits befinden sich in Almaty noch mehr moderne Gebäude. Auch der Verkehr, der in meinen Augen in Bischkek schon chaotisch ist, war hier etwas geordneter. Bevor wir nach Almaty gefahren sind, wurde uns mehrmals gesagt, dass Almaty wie Bischkek sei, nur größer und sauberer. Dass Almaty größer ist, ist nicht zu bestreiten und auch das mit der Sauberkeit stimmt teilweise. Sowohl in Almaty als auch in Bischkek sind von der Stadt aus immer die Berge zu sehen, was ich sehr schön finde.

Am Ostersonntag haben Pia und ich ein Osterfrühstück gehabt, leider ohne Ostereier (die waren in keinem der Läden zu finden), aber dennoch sehr lecker. Danach hatten wir noch ein bisschen Zeit, bis wir zurück gefahren sind und so haben wir uns entschieden zum Busbahnhof, der etwa vier Kilometer entfernt lag zu laufen.

Auf der Karte war ein Fluss und schließend ein See eingezeichnet und so dachten wir, dass es dort doch sehr schön sein muss. Der Fluss war jedoch eine kleine Enttäuschung, denn das Flussbett war ausbetoniert und außer Müll war nicht viel anderes zu sehen, nicht einmal viel Wasser. Der Weg war aber trotzdem schön. Als wir dann an den vermeintlichen See kamen, war dort leider kein See zu sehen, sondern nur ein recht großes Loch, in dem der See war bzw. wahrscheinlich manchmal ist. IMG_5987Das sah schon sehr erschreckend aus, einen Leeren See zu sehen. An den Ufern befinden sich die Sonnenschirme und und Liegestühle, aber die auf dem „Seegrund“ laufen die Leute. IMG_5996
In Almaty gibt es nicht allzu viele Touristen, was wir auch daran gemerkt haben, dass viele Leute sehr neugierig waren, woher wir denn kommen und was wir hier machen.
Auf dem Rückweg nach Bischkek haben wir einen Amerikaner kennengelernt, der in Almaty Touren anbietet und auf seiner Webseite auch einiges über die Stadt schreibt. Falls jemand vor hat dort hinzugehen, kann es interessant sein, das zu lesen, bzw. eine Tour zu machen: http://www.walkingalmaty.com

Insgesamt hat mir die Stadt sehr gut gefallen und dafür dass ich nur 10 Euro mehr gezahlt hab, als ich in Bischkek ausgegeben hätte (so viel hat nämlich die Hin- und Rückfahrt gekostet), hat sich der Ausflug auf jeden Fall sehr gelohnt. Außerdem haben wir sehr nette und hilfsbereite Menschen getroffen.

Noorus, Neujahr in Kirgisistan

Am 21. März wird in Kirgistan der Feiertag „Noorus“ groß gefeiert. Der Name Noorus kommt vom persischen „нау“-neu und „рузи“-Tag, also neuer Tag bzw Neujahr, denn am 21. März ist der Tag gleichlang wie die Nacht. Es ist ein schöner Frühlingsfeiertag, bei dem die Erneuerung der Natur und des Lebens nach Ende des kalten Winters begrüßt wird. Damit verbunden herrscht der Glaube, dass mit dem Noorus alle Krankheiten und Misserfolge des letzten Jahres verschwinden werden. Noorus hat nichts mit Religion zu tun, aber früher wurde der Tag in vielen Völkern als der erste Tag des neuen Jahres gefeiert.

Am Vorabend des Feiertages wird das ganze Haus aufgeräumt, Schulden sollten beglichen werden und wenn man jemanden beleidigt hat, wird um Verzeihung gebeten. An diesem Tag finden in ganz Kirgistan Volksfeste, Theateraufführungen und Pferdeaufführungen statt. Außerdem werden vor dem Noorus in den kirgisischen Häusern alle Behälter im Haus mit Brunnenwasser, Milch und Körnern befüllt, damit es im neuen Jahr viel Regen und eine gute Ernte gibt.

An dem Tag selber werden weiße Tischdecken ausgebreitet, auf denen dann unglaublich viele Leckereien ausgebreitet werden. Das spezielle Gericht an diesem Tag ist Sümölök, das aus Weizenkeimen besteht und die dann zusammen mit Baumwollsaatöl und Mehl in einem Kessel zwei Tage lang gekocht werden. Damit das Ganze nicht anbrennt, werden kleine Steine in den Kessel geworfen, die anschließend größtenteils wieder entnommen werden. Wer an der Feier dann einen der Steine erwischt, kann sich etwas Wünschen. Damit das Kochen von Sömülök nicht langweilig ist, wird der ganze Prozess mit singen und tanzen begleitet. Das soll gleichzeitig das Gericht noch schmackhafter machen, da der Koch eine ganze Menge positiver Energie in das Gericht gesteckt hat.

Zum Noorus gehören viele Rituale und Traditionen. So werden beispielsweise Jungen, die am 21. März zur Welt kommen „Noorusbek“ oder „NoorusbӨi“ genannt, Mädchen „Noorusgül“.

Nach dem Sonnenuntergang wird ein großer Scheiterhaufen angezündet und so endet der Feiertag mit singen und tanzen.

Wie ich den Noorusfeiertag verbracht habe:

Im Sozialdorf wurde der Noorus natürlich auch groß gefeiert. Der Noorus ist ein offizieller Feiertag, aber Pia und ich haben uns dafür entschieden ihn im Dorf zu feiern und nicht in Bischkek, wo ebenfalls groß gefeiert wird.

Morgens haben sich alle Bewohner und Mitarbeiter in der Werkstatt versammelt und es wurden Lieder, Gedichte und Tänze vorgetragen, spiele gespielt, sowie ein kleines Theaterstück aufgeführt. Außerdem gab es noch eine Räucherzeremonie, bei der Kräuter angezündet und der Rauch zur Reinigung im Raum verteilt wurde.

Anschließend gab es im Esszimmer eine Tafel mit allen möglichen Leckereien und dazu Saft und Chai.IMG_5940

Im Dorf Murake  ging es dann mit der Feier weiter. Dort waren Zelte, Tische und ein Jurte aufgebaut und als wir ankamen hatten sich schon sehr viele Leute in einem Halbkreis versammelt, um den Vorführungen zuzuschauen, die dort aufgeführt wurden.

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Kinder haben Tänze vorgefüht, Kirgisinnen und Kirgisen haben gesungen und teilweise wurde dazu „Komus“ gespielt, ein traditionell kirgisische Instrument, das normalerweise aus Aprikosenholz gemacht ist. Nach den Vorführungen standen alle beisammen und IMG_1412haben sich unterhalten, es gab Eis und Saft zu kaufen und die ersten Leute sind schon in die Zelte gegangen, in denen ein langer Tisch mit lauter verschiedenem Essen vorbereitet war. Auch wir durften uns bald an einen der langen Tische draußen setzen und ein typisches Noorus PickIMG_1408nick genießen. Teller mit Kekse und Bonbons waren schon vorbereitet und dann wurden sehr viele frittierte Teigteile, die Boschsok genannt werden auf dem Tisch verteilt. Neben Chai, Salaten und Äpfeln gab es auch noch Plov (das typisch kirgisische Gericht, bestehend aus Reis, Karotte und Fleisch), das wie uns erklärt wurde, mit den Händen aus dem großen Topf gegessen wird.

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Eine Tanzvorführung

Nachmittags haben Pia und ich mit Hilfe von ein paar Bewohnern Flammkuchen gebacken. Dann gab es auch bald schon wieder Abendessen, obwohl ich eigentlich immer IMG_5948noch ziemlich satt von dem reichhaltigen Mittagessen war. Nach kirgisischer Tradition wurde danach draußen ein großes Feuer angezündet und alle Bewohner, Mitarbeiter und Kinder waren draußen. Der Flammkuchen wurde dann gegessen, die Musik aufgedreht und viel getanzt und gespielt. Bald sind auch noch zwei andere Autos vorgefahren und die befreundeten Familien mit ihren Kindern haben ebenfallls mitgetanzt. Das hat alles sehr viel Spaß gemacht und ich fand es insgesamt sehr schön, den Feiertag im Dorf verbracht zu haben.

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Wandern und Frauentag

CAM02521Ursprünglich hatten wir ja geplant, letztes Wochenende Skifahren zu gehen, aber daraus wurde dann doch nichts, weil wir die einzigen waren, die sich zu dem Ausflug angemeldet haben. Also sind wir stattdessen in den Ala-Archa Nationalpark zum Wandern gegangen, was eine echt gute Alternative war. Wir hatten super Wetter und somit auch eine mega Aussicht in alle Richtungen, die mit jedem Schritt noch schöner wurde. Teilweise lag noch Schnee und auch die Wege waren an einigen Stellen ziemlich vereist, weshalb vor allem der Abstieg zu einer ziemlich lustigen Rutschpartie wurde. IMG_5790

Als wir Montag wieder zurück ins Sozialdorf gekommen sind, haben uns 35 neue „Bewohnerinnen“ erwartet: 26 Mutterschafe und 9 Lämmer, welche am Samstag gekauft wurden. Insgesamt gibt es iCAM02562m Sozialdorf jetzt 10 Kühe, ein Bulle und 4 Kälber, etwa 20 Hühner, ein Hahn und 3 Truthähne, drei Hunde, die Kühe und ein Pferd. Die Kühe werden dreimal täglich gemolken und sowohl die Milch, die Eier als auch das Fleisch ist für den Eigenbedarf des Sozialdorfes gedacht. Doch die Kühe geben jetzt sogar schon so viel Milch, dass bald auch etwas Milch verkauft werden soll.

Am Montag und Dienstag war es noch relativ ruhig im Sozialdorf und Pia und ich haben uns viel um den Bewohner gekümmert, der im Rollstuhl sitzt und besonders auf die Hilfe anderer angewiesen ist. Außerdem haben wir Kerzen gezogen, etwas Deutschunterricht gemacht, sind spazieren gegangen und haben im Stall mitgeholfen.

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Beim Kerzenziehen

Mit der etwas ruhigeren Zeit war es dann ab Mittwoch vorbei, weil da die drei BewohnerInnen zurück gekommen sind, die für etwa 2 Wochen in einer Klinik waren. Außerdem ist Leyla, eine weitere Bewohnerin, zurück gekommen, die Pia und ich noch nicht kennen gelernt haben, weil sie längere Zeit bei ihrer Familie verbracht hat. Um sie sollen wir uns ebenfalls besonders

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Pia, Leyla und ich

kümmern, da sie sich nicht in der Werkstatt beim Kissen nähen beteiligen kann. Mit Leyla habe ich bisher viel Dame gespielt, worin sie auch echt gut ist, (jedenfalls habe ich bisher immer verloren). Mit ihren Augen zeigt sie mir, mit welchem Stein sie wo hinfahren möchte. Ansonsten bin ich mit ihr spazieren gefahren, habe mit ihr Bilder auf ihrem Handy angeschaut, Musik gehört oder habe mit ihr an Freunde oder ihre Familie geschrieben.

Am Samstag hatten wir Besuch von vier der anderen Freiwilligen aus Bischkek. Sie haben sich das Sozialdorf angeschaut und nachmittags sind wir dann wieder zusammen nach Bischkek in die Wohnung gefahren, in der wir bisher immer waren. Dort haben wir dann den Geburtstag von einem aus der WG gefeiert.

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Am 8. März wird hier der internationale Frauentag groß gefeiert. Im Sozialdorf haben wir den Frauentag schon am Montag, also am 7. Mai gefeiert. Vormittags haben sich alle Bewohner und Mitarbeiter in einem Raum versammelt und jeder hat etwas vorgesungen, vorgetanzt oder ein Gedichte vorgetragen. Pia und ich hatten

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Gerade wird ein Gedicht vorgelesen

eigentlich auch ein Gedicht und ein Lied vorbereitet, aber da ich an dem Tag so angeschlagen und heiser war, dass ich nicht sprechen konnte, hat nur Pia etwas vorgespielt und ein Gedicht vorgelesen. Danach gab es dann Geschenke für alle Frauen. Wir hatten uns etwas typisch Kirgisisches gewünscht und Pia hat eine kleine Jurte aus Leder bekommen und ich Bild aus Leder, auf dem Pferde, eine Jurte und ein See zu sehen sind. Direkt anschließend ist eine Schulklasse von derIMG_5847 Schule aus dem Dorf gekommen und die ca. 20 Kinder haben getanzt, gesungen und etwas Theater gespielt. Zum Mittagessen gab es dann viele verschiedene Dinge, wie Hühnchen, Reis, mehrere Salate, frittierte Teigteile (ich weiß leider nicht wie sie heißen) und Süßigkeiten.

Heute hatten dann alle Frei. Pia und ich sind im Sozialdorf geblieben, was ich auch schön fand, weil hier nochmal eine andere Stimmung ist, wenn niemand arbeiten muss. Es hatte auch mal wieder 20°, was natürlich nicht schlecht war.

Mittlerweile ist für mich hier schon einiges alltäglicher geworden und ich habe festgestellt, dass ich mich an vieles doch schneller als erwartet gewöhnt habe. Zum Beispiel finde ich das Essen gar nicht mehr so fettig und/oder süß wie am Anfang… Allgemein kann ich sagen, dass ich sehr gerne hier bin und dass mit die Arbeit hier Spaß macht, was sicherlich auch daran liegt, dass hier echt nett Leute sind.

Hier noch ein paar Bilder von der Wanderung:IMG_5779IMG_5748IMG_5787IMG_5771P1100200IMG_5766

Seminar in Georgien

Nach nicht einmal zwei Wochen ging es für mich schon auf das „Zwischenseminar“ nach Georgien. Normalerweise hat man dieses Seminar etwa zur Halbzeit des Aufenthaltes, aber da mein Ausreisetermin eher untypisch war, fand es für mich am Anfang statt.

12077217_1104172372947581_2068754404_nPia und ich sind also über Istanbul nach Tiflis geflogen und haben dort für zwei Nächte bei Couchsurfern übernachtet. So hatten wir einen ganzen Tag Zeit um uns die Stadt anzuschauen, was sich echt gelohnt hat. Einerseits sind dort viel alte Häuser mit verwinkelten Hinterhöfen und andererseits gibt es dort auch den sehr modernen Teil, in dem z.B. die Friedensbrücke ist. Mir hat auch gut gefallen, dass im Norden und im Süden die Berge sind und so die Stadt dort höher als in der Mitte liegt. So hat man von dort einen tollen Ausblick auf die Umgebung.

CAM02469Wir sind also den ganzen Tag durch die Stadt gelaufen, waren auf einem riesigen Flohmarkt, bei der Statue „Mother of Georgia“ und als wir zufällig drei der anderen Freiwilligen aus Bischkek getroffen haben, sind wir zusammen lecker essen gegangen. Wir hatten Glück mit dem Wetter und so hat es umso mehr Spaß gemacht durch die Stadt zu laufen. Außerdem waren wir am Valentinstag dort, weshalb gefühlt an jeder Ecke jemand stand und Blumen verkauft hat. Abends sind wir dann mit der Marshrutka (eine Mischung aus Taxi und Bus welche z.B. auch in Kirgistan fährt) zurück gefahren und netter Weise haben uns wieder Leute geholfen an unserem Ziel anzukommen, weil ohne die georgischen Schriftzeichen lesen zu können ist das gar nicht immer so einfach.

Am nächsten Morgen ging es dann in das Dorf Saguramo, das etwas nördlich von Bischkek liegt, weil dort das Zwischnseminar stattfand. Insgesamt waren wir neun Freiwillige aus Kirgistan und zehn aus Georgien und es war sehr spannend in den fünf Tagen etwas über die verschiedenen Einrichtungen und Länder zu hören. Meine persönlichen Highlights war eine Wanderung auf einen Berg, von dem aus man Tiflis und Saguramo sieht,  ein Musiknachmittag mit einem Musiklehrer der Waldorfschule in Tiflis, das unglaublich leckere  Essen und das Lernen von kirgisischen- und Georgischen Tänzen.

Der Zeitpunkt für das Zwischenseminar war für mich zwar nicht optimal, da noch alles sehr neu in Kirgistan  ist und ich gleich wieder für über eine Woche nicht im Sozialdorf war, aber abgesehen davon, war es sehr interessant. Die Themen die wir dort besprochen haben bringen mir sicherlich Einiges für die weitere Zeit in Kirgistan und ich konnte auch viele neue Ideen mitnehmen.

Freitag Abend sind wir dann schon wieder zurück nach Bischkek geflogen und waren dort bis Dienstag, weil wir Montag frei hatten (und stattdessen Samstag arbeiten) und am Dienstag Männertag war. Für die Zeit in Bischkek hatten wir eigentlich einige Pläne, aber das meiste haben wir nicht geschafft, was beispielsweise daran lag, dass wir die richtige Adresse nicht gefunden haben, in die falsche Marshrutka gestiegen sind oder nicht rechtzeitig wieder ausgestiegen sind (manchmal sind die nämlich so voll, dass es fast unmöglich ist auch nur einen Blick aus dem Fenster zu werfen). Das mit dem Marshrutka fahren müssen Pia und ich eindeutig noch etwas üben!

Als wir Dienstag zurück nach Murake gekommen sind, war dort ein Fest auf Grund des Männertages und als wir aus der Marshrutka ausgestiegen sind, sind etwa 50 Reiter an uns vorbeigalloppiert. Es war schön wieder ins Sozialdorf zu kommen und wir wurden auch freudig begrüßt.

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Pia mit einem der Bewohner

Diese Woche haben wir uns viel um einen gekümmert, der im Rollstuhl sitzt, waren mit ihm spazieren, haben mit ihm gespielt oder haben sensomotorische Übungen gemacht. Außerdem waren wir immer wieder im Stall, weil wir beim Aufbau von Kuhmist-Stroh-Matratzen für die Kühe helfen sollen, haben Glühbirnen ausgetauscht, sind spazieren gegangen und waren viel Draußen, weil es bis zu 23°C hatte. Heute haben wir den ersten Samstag im Sozialdorf verbracht und haben mit Bewohnern Kuchen gebacken. Wie meine genauen Aufgaben im Sozialdorf aussehen, werde ich noch in einem der nächsten Blogeinträge beschreiben.

Heute Abend geht es dann wieder nach Bischkek und morgen zum Skifahren, wenn alles klappt.

 

 

Die erste Woche in Kirgistan

Seit einer Woche bin ich nun schon in Kirgistan und erstaunlicherweise kommt es mir schon viel länger vor. Das liegt wohl daran, dass in dieser kurzen Zeit so viel passiert ist. Aber ich beginne am Besten am Anfang und versuche ein paar Eindrücke und Erlebnisse wiederzugeben.

Auf dem zehntägigen Vorbereitungsseminar habe ich Pia kennengelernt, die mit mir in das Sozialdorf Manas geht, worüber ich recht froh bin, weil ich dadurch nicht die Einzige in der völlig fremden Umgebung bin. Nach dem super Seminar auf dem ich ganz tolle Leute kennengelernt habe, hatte ich drei Tage um zu packen und allen zu Hause „Auf Wiedersehen“ zu sagen, bevor es auch schon in Richtung Kirgistan ging. In Istanbul haben Pia und ich uns wieder getroffen, damit wir gleichzeitig in Kirgistan ankommen.

In Bischkek angekommen hat uns ein Mitarbeiter und einer der Betreuten abgeholt und zusammen sind wir ca. 1 1/2 h in das Sozialdorf nach Murake gefahren. Je näher wir nach Murake gekommen sind, desto eindrücklicher fand ich die Umgebung: Vor uns die riesigen weißen Berge und ansonsten eine schneebedeckte weite Ebene. Im Sozialdorf angekommen wurden wir sehr nett von den Bewohnern und Mitarbeitern begrüßt und nach dem Essen, dem typisch kirgisischen Gericht „Plov“ welches aus Reis, Karotten und Fleisch besteht, haben wir eine Führung über das Grundstück bekommen. Das besteht aus einem Haupthaus, einem weiteren kleineren Wohnhaus, einem Hühnerstall, einem Kuhstall, einem Waschhaus mit Sauna und einem Gewächshaus. Zusammen mit Pia wohne ich in einem der Zimmer im Haupthaus mit super Ausblick auf die Berge.

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Der Blick aus dem Zimmerfenster
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Beim Kissen nähen

Da es unsere erste Woche war, habe ich bisher noch nicht so viel gearbeitet. Stattdessen haben wir viel unternommen und waren beispielsweise im Dorf Belovedskoe auf dem Markt und in Bischkek in der Einrichtung „Ümüd-Nadeschda“ (eine Schule für Kinder mit Behinderung), wo wir auch fünf der anderen Freiwilligen kennen gelernt haben. Zwei Vormittage haben wir in der Werkstatt mitgeholfen, in dem typisch kirgisische Kissen und andere Dinge aus Filz genäht werden. Außerdem haben wir manchmal abends zusammen mit den Bewohnern gespielt und gemalt und sie haben Pia und mir einige russische Wörter beigebracht. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

 

Was mich besonders gefreut hat, war, dass wir zweimal zum Essen eingeladen wurden. Dort haben wir unglaublich leckeres und vielfältiges Essen bekommen und eine echt tolle Gastfreundschaft erfahren. Einmal haben wir sogar fünf verschiedene Nachspeisen bekommen und danach habe ich mich auch dementsprechend satt gefühlt. Zum Essen hier gibt es meist einen Schwarz- oder Grüntee und ein sehr leckeres Fladenbrot.

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Pia und unser super Guide bei einem Spaziergang

 

Die Umgebung von Murake und das Dorf selber habe ich bei zwei Spaziergängen von einem der Bewohner gezeigt bekommen. Diese Spaziergänge fand ich sehr schön und beispielsweise sind uns immer mal wieder Kühe, Schafe, Hühner oder Pferde auf der Straße begegnet, was mir im ersten Moment sehr bizarr vorkam.Bei einem unserer Spaziergänge haben wir sogar einen Hundewelpen geschenkt bekommen. Der Bewohner, mit dem wir Spazieren gegangen sind, hat, nachdem er vier Welpen entdeckt hat, kurz mit dem Besitzer gesprochen und dann zu uns gemeint: Das ist jetzt euer Welpe, ihr könnt ihn mit nach Hause nehmen. Seit dem läuft hier ein kleiner süßer Hund herum.

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Ein Haus im Dorf Murake
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Fasching in Kirgistan

Am Wochenende sind Pia und ich nach Bischkek gefahren und konnten dort netterweise bei einem der Freiwilligen in der Wohnung übernachten. So konnten wir die Hauptstadt erkunden und alle anderen Freiwilligen kennen lernen.  An einem der Abende war eine Faschingsfeier bei dem Vizebotschafter von Deutschland und wir sind als acht Teletubbies, 3 Kyryts (eine Art Salz- Bonbon) und einem Baby verkleidet dort erschienen. Ansonsten waren wir auf dem Osch-Bazar (einem riesigen Markt, auf dem man einfach alles kaufen kann) und haben eine Stadtführung von einem Kirgisen bekommen, der uns bei schönstem Wetter viele Sehenswürdigkeiten gezeigt hat.

Für mich noch sehr ungewohnt ist, dass es im Sozialdorf im Moment kein fließendes Wasser gibt. Das ist nicht immer so, doch anscheinend ist der Ausfall von fließendem Wasser keine Seltenheit. Das Gute daran ist, dass ich fließendes Wasser endlich mal richtig zu schätzen weiß.

Ein paar Worte noch zum Wetter: Meine Befürchtung, dass es unglaublich kalt werden würde, hat sich bisher zum Glück noch nicht bestätigt. Am Anfang lag zwar Schnee, doch der ist größtenteils nach ein paar Tagen geschmolzen und am Sonntag hatte es sogar 14°C. Ich habe jedoch gehört, dass das Wetter hier sehr schnell wechseln kann, also ist es gut Möglich, dass es nochmal ziemlich kalt wird.

Insgesamt kann ich sagen, dass mir die erste Woche in Kirgistan sehr gut gefallen hat und ich auf sehr nette und gastfreundliche Menschen gestoßen bin. Auch die Bewohner waren unglaublich hilfsbereit und nett und wenn ich mal wieder nicht verstanden habe, was sie mir sagen wollten, wurde es mit Händen und Füßen oder auf deutsch erklärt (einige können etwas Deutsch), bis ich es verstanden habe.

Ich bin schon sehr auf die nächste Zeit in Kirgistan gespannt!