Das Land der Kirgisen

Kirgisistan, Kirgistan, Kirgisien, Kyrgyzstan, Кыргызстан…

Welches ist nun die richtige Bezeichnung für dieses Land? Der offizielle Name lautet „Kirgisische Republik“, doch alle anderen Namen können ebenfalls verwendet werden.
Da Kirgistan bei uns in Deutschland nicht allzu bekannt ist und man auch in den Nachrichten nur selten etwas hört, werde ich ein bisschen über dieses schöne Land berichten.

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Kirgistan ist ein relativ kleines Land mit ca. 5,5 Mio. Einwohnern und liegt in Zentralasien. Die Hauptstadt ist Bischkek, welche sich im Norden des Landes befindet. Bischkek hat 875.000 Einwohner. Die Währung sind kirgisische Som (KGS), wobei etwa 75 Som einem Euro ents prechen. Kirgisisch ist die Staatssprache und Russisch gilt als zweite Amtssprache. Der Staatsoberhaupt der parlamentarischen Republik ist Präsident Almasbek Atambajew.

Der Süden und der Norden des Landes unterscheiden sich recht stark voneinander. Während zu Sowjetzeiten im Norden viel gebaut wurde, blieb der Süden mit seiner großen usbekischen Minderheit ländlicher geprägt. Die Menschen im Süden haben einen anderen kirgisischen Dialekt als im Norden. Außerdem wird im Süden hauptsächlich kirgisisch gesprochen, wohingegen die Menschen im Norden gewöhnlicherweise kirgisisch und russisch sprechen.

 

Einen zentralen Platz in der kirgisischen Kultur nimmt die Pferdezucht und die Jurte ein.

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Die kirgisische Flagge

Wie sehr die Jurte zur Kultur Kirgistans gehört, kann man daran sehen, dass die Nationalflagge das Gestänge einer Jurte um die obere Rauchabzugsöffnung darstellt. Die Strahlen im Kreis stellen die verschiedenen kirgisischen Stämme dar, die sich unter Manas vereinigt haben. Des weiteren existiert eine lange Tradition der Filz-und Lederbearbeitung. Auch die Falknerjagd, insbesondere mit Adlern und die Jagd mit Windhunden hat eine lange Tradition im Land.

Geographie
Kirgistan wird oft auch als die mittelasiatische Schweiz bezeichnet, was wohl an den vielen Bergen liegt, die hier zu finden sind. Die Berge hier sind jedoch einiges höher. Die Landschaft in Kirgistan ist sehr vielfältig: Es gibt Canyons, Flussterrassen, Gletscher, hochalpine Ebene, Bergsteppe, Wüste und den Issyk Kul, ein hochalpiner See, der etwa elf mal größer als der Bodensee ist.
Kirgistan ist das zweitkleinste Land in Mittelasien und ist von China, Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan umgeben. Etwa 90 Prozent der Landesfläche liegen in über Kirgisistan1500 Meter Höhe, weshalb Kirgistan zu den Hochgebirgsländern der Erde zählt.
Ungefähr 95 % des Landes gehören zum Gebirgssystem des Tien Schan, der restliche Teil gehört zum Gebirgssystem des Pamir. 94 % der Landesfläche sind gebirgig, nur auf 20 % der Fläche ist das Betreiben von Landwirtschaft möglich.

In Kirgistan findet man den nördlichsten Siebentausender der Erde, den Pik Pobeda (7439m) und den zweitlängsten Gletscher außerhalb der Polgebiete.

Eine Vielzahl von seltenen Tierarten kann man in Kirgistan finden, darunter den Tienshan-Braunbär, den Rotwolf und Schneeleoparden.

Das Klima Kirgisistans ist von trockenen und kontinentalen heißen Sommern und von kalten Wintern geprägt. Auch die täglichen Temperaturschwankungen sind erheblich. Beispielsweise werden im Süden des Landes im Sommer Temperaturen von 45 °C gemessen, während im Winter die Temperaturen auf minus 18 °C fallen können.

Mit nur vier Prozent Waldfläche ist Kirgistan eines der waldärmsten Länder Asiens, jedoch befindet sich im Gebiet Dschalalabat der größte Walnusswald der Welt.

Kirgistan ist in sieben Gebiete, sowie Bischkek und Osch, die zwei zu keinem Gebiet gehörenden Städte, eingeteilt.

Wirtschaft
Kirgistan ist im Allgemeinen ein armes Land mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Teilweise sind diese durch die Geschichte entstanden, teilweise auch durch die schwierige Topographie.
Zu Sowjetzeiten war die Wirtschaftliche Lage einfacher, da Kirgistan im sozialistischen Wirtschaftssystem integriert war und seit der Unabhängigkeit muss Kirgistan nun seine eigene Wirtschaft aufbauen.
2010 kam es im Süden Kirgistans zu schweren Unruhen zwischen Kirgisen und Usbeken. Es gab Hunderte Tote und Zehn- oder Hunderttausende flüchteten, zumindest kurzzeitig, wodurch die Wirtschaft des ohnehin schon schwachen Landes noch mehr geschwächt wurde.
Der Norden des Landes, indem auch mehr Menschen leben, ist insgesamt reicher als der Süden, jedoch leben trotzdem laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen 41 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. 2012 lag das monatliche Durchschnittseinkommen bei 11090 kirgisischen Som, was etwa 160 Euro entspricht. Aufgrund der geringen Löhne in Kirgistan, arbeiten viele Kirgisen im Ausland, vor allem in Russland, aber auch in Kasachstan.

 

Auf SWR2 gibt es einen sehr interessanten Beitrag über eine Fraueninitiative in Kirgistan: http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/tandem/swr2-tandem-wenn-wir-nichts-tun-wer-dann/-/id=8986864/did=14375084/nid=8986864/1cpbkj2/index.html

Eine interessante Doku über das Leben der „modernen“ Nomaden:

360° Geo Reportage: Die neuen Nomaden von Kirgisistan Doku (2009)

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